| Modellmotoren LÄNGLE |
|
Innendruckmessung am laufenden Heißluft-Modellmotor
AllgemeinesEs ist einfach ein wunderbares Gefühl, wenn ein Heißluft-Modellmotor das erste Mal seine Eigenreibung überwindet und das Schwungrad seine ersten „freien Umdrehungen“ absolviert, ganz besonders bei einer Eigenkonstruktion. Und anschließend drängt sich bei mir (und sicher nicht nur bei mir) immer die Frage in den Vordergrund, wie nahe ist die Realität eigentlich an den ganzen Annahmen, Abschätzungen und kleineren Berechnungen, die ich im Rahmen der Eigenkonstruktion durchgeführt habe ? Diese Frage hat mich in der Vergangenheit auch immer wieder dazu veranlasst, einen Anschluss vorzusehen, an dem ich sozusagen den Innendruck „anzapfen“ kann, finanziell tragbare Sensoren und Messgeräte blieben für mich aber in weiter Ferne. Die Frage wurde noch drängender, nachdem ich mich noch intensiver mit der Berechnung auseinandergesetzt und unter Theorie auf meiner Homepage bereitgestellt hatte und anschließend den auf dieser meiner eigenen „Basis“ aufgebauten und mit einem besonderen Verdrängerantrieb versehenen Modellmotor HL-18 erfolgreich vollendet hatte.
Der Anstoß: Die Bewegung im Thema Innendruck entstand dadurch, dass mich RICHARD EGGE zur Teilnahme an einem Ringversuch zur Leistungsermittlung von Stirling-Modellmotoren einlud siehe Leistungsmessung ( ist noch in Vorbereitung ). Für diese Versuche hatte ich nun eine Lichtschranke, die ich an meinen PC anschließen konnte, der wiederum durch das "Di-194 Starter Kit" von DATAQ (gibt es auch beim europäischen Vertriebspartner ALTHEN ) in ein „Speicheroszilloskop“ mit den verschiedensten Auswertungsmöglichkeiten verwandelt wurde. Nach der Aufzeichnung der ersten Messergebnisse aus vorgenannter Leistungsmessung hieß es für mich : “Nun will ich auch den Druckverlauf wissen, jetzt oder nie“.
Der Drucksensor: Weil ja der Innendruck während eines Zyklus auch unter den atmosphärischen Umgebungsdruck absinkt und ich Reserven für einen ev. „aufgeladenen“ Motor haben wollte, suchte ich nach kleinen Sensoren für den Bereich 0 bis 2,5 bar. Die gebotene Preisspanne von Low Cost ca. DM200,- bis Industrie ca. DM1200,- war nicht für meinen Etat. Nach Reduzierung meiner Anforderungen stieß ich auf den Drucksensor MPX 5100DP von CONRAD, geeignet für einen Differenzdruck von 100kPa (für die Feinde der Zahlengigantomanie 1bar Differenzdruck!) und für DM 69,95 . HINWEIS: Lesen Sie vor irgendwelchen Aktionen das Datenblatt
des Sensors,
Vorbereitungen: Der Sensor benötigt eine Stromversorgung von 5V DC. Nach dem Zusammenlöten und Stecken sieht das Ganze so aus wie in nachstehendem Bild gezeigt (oder viel besser). Der Sensor selbst ist am Motor.
Funktionstests mit SensorNach dem Verbinden mit dem DATAQ Modul und laufender Windaq-Software aus dem Starter Kit schloss ich über einen kurzen Schlauch eine ¼ l Plastikflasche an den Sensor an (Anschluss P1 = die Seite mit der Beschriftung) und durch drücken und loslassen der Flasche wurden die ersten Kurven sichtbar. Dann nochmals dasselbe mit Aufzeichnung, Ausschnitt siehe nachstehendes Bild! Bei genauerer Betrachtung der aufgezeichneten Kurve war folgendes erkennbar: a) Die Verbindung zum Sensor war undicht und erzeugte beim vollständigen Loslassen geringfügigen Unterdruck gegenüber Umgebung. b) Dieser Unterdruck ist nur durch das „Abschneiden“ der Kurve erkennbar. Fazit: Bei „offenem“ zweiten Anschluss = Umgebungsdruck reagiert der Sensor nicht auf den am ersten Anschluss vorhandenen Unterdruck! Lösungsansatz: Zweiten Anschluss soweit
in den Unterdruck „ziehen“, dass die erwartete Druckkurve sicher
vollständig angezeigt wird, also eine „Voreinstellung“.
Weiterer Funktionstest: Wiederum erst Probe mit der Plastikflasche, Kurven scheinen
voll ausgebildet, dann Aufzeichnung. Weiteres Ergebnis aus dieser Aufzeichnung:
Messungen am MotorAls „Versuchskaninchen" habe ich meinen neuesten Eigenbau HL-18 ausgesucht (Einzelheiten bitte aus dem Datenblatt entnehmen.) Den vorgesehenen Anschluss ( etwas verdeckt und nach unten gerichtet) wollte ich nicht verwenden, da ich nicht riskieren wollte, dass ev. von der Verdrängerstange stammendes Öl meinen Sensor beschädigt, also neuen Anschluss fertigen. Der „Versuchsaufbau“ ist aus nachstehendem Bild erkennbar.
(Neben dem Schwungrad ist auch die schon erwähnte Lichtschranke positioniert)
Ich hatte mir 3 Motorenläufe mit Aufzeichnung nach folgendem Muster vorgestellt: Software starten – Motorheizung an – Aufzeichnung starten – Motor anwerfen – auf Drehzahl kommen lassen – mit dem Finger auf langsamste Drehzahl abbremsen ohne Stillstand zu verursachen – wieder auf Drehzahl lassen – wieder abbremsen – wieder auf Drehzahl lassen – Heizung ausblasen – Motor auslaufen lassen – Aufzeichnung stoppen. Für die Prozedur habe ich 1 Kanal, 240 Sample/Sec und 4 Minuten Aufzeichnungsdauer vorgesehen. 1. Lauf Erste Aufzeichnung ohne Voreinstellung, Ausschnitt einer „Langsamphase“ siehe nachstehendes Bild:
Die Kurve ist wie beim Sensortest abgeschnitten.
2.Lauf Voreinstellung auf 0,956V, Ausschnitt einer Langsamphase siehe nachstehendes Bild.
Die Kurve kann stimmen,
muß aber nicht, die Werte nicht
berauschend.
3. Lauf Ausschnitt einer Langsamphase siehe nachstehendes Bild.
Die Kurve ist voll ausgebildet, die Werte nur geringfügig besser als beim 2.Lauf. Mit der Software des StarterKit ist aus WinDaq Playback mindestens folgendes ablesbar:
Für diesen 3. Lauf sind daher folgende Werte aus
der Aufzeichnung ablesbar (im Bild ist die Cursorlinie auf Vmax): Das ergibt (Vmax – Vmin.)
/ 4,5 V pro bar =
(1,992 - 0,797) /4,5 = 0,266
bar Einen Kommentar dazu gebe ich aber erst nach einer genaueren Analyse !!! Stand 22.12.2001 Ergänzung 1:
Die schönste Druckkurve verliert an Reiz, wenn keine Referenzmarke vorhanden ist und diese galt es nun herzustellen. Dazu wollte ich die für die Leistungsmessung vorbereitete Lichtschranke verwenden.
Hier sollte ich noch anmerken, daß das von ALTHEN ausgelieferte Starter Kit auch den "key" für die 3 weiteren Analogkanäle enthält und dadurch auch gleich die vorgenannte Lichtschranke angeschlossen werden kann. Zudem bietet die Software die Möglichkeit, 2 Kanäle "überlappt" darzustellen und somit auch optisch einen eindeutigen zeitlichen Bezug des Druck- und des Markierungs-Kanales herzustellen.. Durch die "Aufteilung" der "Sample rate" von 240 auf 2 Kanäle ergibt sich gleichzeitig eine Reduzierung identischer Messwerte bei langsamem Lauf (User's Manual gelesen?).
Referenzmarke:
Seitlich am Schwungrad habe ich einen Streifes eines festen Klebebandes so angebracht. daß die Lichtschranke am unteren Totpunkt (UT) des Arbeitskolbens reagierte. Den UT habe ich gewählt, weil ich das Klebeband "in der Verlängerung der Pleuelstange" besser anbringen und die Lichtschranke in dieser Position auf einer Unterlage stehen konnte.. Ein paar "Probeauslösungen" bei laufender Software sind sehr zu empfehlen, da die durch die Lichtschranke erzeugte "Linie" des Spannungsanstieges möglichst parallel zur Y-Achse im Diagramm verlaufen sollte (habe den Klebestreifen mit der Nagelschere getrimmt).
Ablauf wieder wie vorstehend ( bei "Messungen am Motor") beschrieben aber: 2 Kanäle, Kanal 1 Druck, Kanal 2 Lichtschranke, 120 Sample/Sec und Kanal "Voreinstellung" 1,514V, Heizung erhöht (wie 3. Lauf)
Dann sollte auch darauf geachtet werden, daß der Darstellungsmaßstab für die Lichtschranke so gewählt wird, daß bei der "überlappten Darstellung" der Lichtschrankenimpuls die Druckkurve ausreichend überlappt.
Das ergibt (Vmax – Vmin.)
/ 4,5 V pro bar = (2,07 -
0,956) /4,5 = 0,247
bar
Diese
.DAT -Datei anschließend in EXCEL importiert und ich hatte die
tabellarische Darstellung der Messwerte des ganzen Laufes, aber Vorsicht! Nach Umrechnung der Volt-Werte und Beschriftung der X- und X-Achse sieht das Ergebnis etwa wie nachstehendes Bild aus.
(Bitte
nicht vergessen, der verwendete Motor HL-18 hat einen "nicht
sinusförmigen" Verdrängerantrieb und einen Verdrängerdurchmesser
von 20mm!.
Wenn Sie bis zu diesen Zeilen durchgehalten haben, bedanke ich mich recht herzlich für Ihr Interesse und vielleicht reicht Ihre Zeit noch für ein Kommentar an mich. Ich
würde mich über Ihre Meinung freuen! E-Mail an: motoren@laengle-hp.de
Hans-Peter Längle, 12.1.2002.
|
|
|
Stand: 15.01.2002
Auflösung 800x600